Kunst - Ein Auszug aus dem Stück

Marc: Mein Freund Serge hat sich ein Bild gekauft. Ein Ölgemälde von etwa ein Meter sechzig auf ein Meter zwanzig, ganz in Weiß. Der Untergrund ist weiß, und wenn man die Augen zusammenkneift, kann man feine weiße Streifen erkennen. Mein Freund Serge ist ein langjähriger Freund. Er ist jemand, der Erfolg gehabt hat, er ist Dermatologe, und er liebt die Kunst. Am Montag bin ich bei ihm gewesen, um mir das Bild anzuschauen, das Serge am Samstag gekauft hat, mit dem er aber seit Monaten liebäugelte. Ein weißes Bild, mit weißen Streifen.

[...]

Yvan:Was habt ihr nur? [...] Was ist zwischen euch vorgefallen? Es muss doch etwas zwischen euch vorgefallen sein, dass ihr so irre geworden seid?

Serge: Ich habe ein Kunstwerk gekauft, das Marc nicht zusagt.

[...]

Marc: Antworte mir. Du heiratest morgen Cathrine und bekommst dieses Bild als Hochzeitsgeschenkt. Freust du dich darüber? ... Freust du dich darüber?

Yvan, allein: Natürlich freue ich mich nicht darüber. Ich freue mich nicht darüber, aber nur so, ganz allgemein, ich bin eben niemand, der sagen kann, ich freue mich. Ich suche..., ich suche ein Ereignis, von dem ich sagen könnte, darüber freue ich mich... Freust du dich, dass du heiratest, hat mich meine Mutter eines Tages ganz unvermittelt gefragt. Freust du dich wenigstens, dass du heiratest? ... Gewiss, Mama, gewiss ... Wieso gewiss? Entweder man freut sich, oder man freut sich nicht, was heißt da gewiss?

Serge, allein: Für mich ist es nicht weiß. Wenn ich sage für mich, dann meine ich objektiv. Objektiv gesehen ist es nicht weiß. Es hat einen weißen Untergrund und dazu eine ganze Farbskala von Grautönen... Sogar rot ist drin. Man kann sagen, dass es sehr blass ist. Wäre es weiß, würde es mir nicht gefallen. Marc sieht es weiß... Das ist seine Beschränkung... Marc sieht es weiß, weil er in die Vorstellung verrannt ist, es sei weiß. Yvan nicht. Yvan sieht, dass es nicht weiß ist. Marc mag denken, was er will, er kann mich am Arsch lecken.